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Bewertung der Trinkwasserrelevanz von Chemikalien im  

Rahmen der REACH-Verordnung


Hintergrund
Die Bewertung der Trinkwasserrelevanz von Stoffen unter REACH ist bislang nicht explizit gefordert. Nach Art. 14 der REACH-VO muss zwingend erst für registrierungspflichtige Stoffe ab 1000 t/a und für Stoffe mit kritischen Stoffeigenschaften ab 100 t/a bei der Bewertung des Risikos einer Verwendung auch der indirekte Expositionspfad „man via the environment“ – damit auch eine mögliche Belastung über das Trinkwasser – berücksichtigt werden. Zwar garantieren die registrierenden Firmen mit ihrer Stoffbewertung die sichere Verwendung eines Stoffe, aber bisher fehlen aktualisierte Vorgaben und Leitfäden für die Industrie wie eine potentielle Belastung des Trinkwassers konkret berücksichtigt werden sollte.

Zielsetzung des Umweltbundesamtes
Das Umweltbundesamt möchte den Trinkwasserschutz unter REACH stärken. Das im Sommer 2010 abgeschlossene Gutachten gibt einen Überblick über bereits bestehende Priorisierungsmodelle zur Bewertung der Trinkwasserrelevanz. Dabei werden die Persistenz und Mobilität als die beiden wichtigsten Stoffeigenschaften herausgestellt, die das Umweltverhalten eines Stoffes und damit seine mögliche Trinkwasserbelastung bestimmen. Anhand einer Literaturrecherche konnten 151 Stoffe identifiziert werden, die bereits im Trinkwasser nachgewiesen wurden. Für diese wurden Daten zur Wasserlöslichkeit, Oktanol-Wasser-Verteilungskoeffizient und Halbwertszeit (DT50) zusammengestellt, um die beiden Schlüsseleigenschaften Persistenz und Mobilität zu beschreiben. Die Ableitung eines Indexsystems ermöglichte die Einteilung der Stoffe in solche mit geringer, mittlerer und hoher bis sehr hoher Trinkwasserrelevanz. Neben diesem Indexsystem stellt das Gutachten noch weitere Kriterien, die die Trinkwasserrelevanz beeinflussen – etwa die verwendete Menge eines Stoffes – dar.

Mit den abgeleiteten Screening-Kriterien könnten zum Einen die Behörden zukünftig aus dem Pool der Registrierungsdossiers potentiell trinkwasserrelevante Stoffe identifizieren. Zum anderen kann die Industrie ein solches Screening-Werkzeug ebenfalls nutzen, um ihre Stoffe bereits bei der Registrierung auf eine mögliche Trinkwasserrelevanz zu untersuchen.
 
Derzeit läuft ein weiteres Projekt, in dem das bereits entwickelte Konzept weiter konkretisiert und einer eingehenden Prüfung zur Validierung unterzogen werden soll.



Definition und Bewertung von trinkwasserrelevanten Chemikalien im Rahmen der REACH-Verordnung und Empfehlungen zum Screening nach potentiell kritischen Substanzen

Technical Guidance Document zur Erstellung von Expositionsszenarien

Klein, A.; Neumann, M.; Mitt Umweltchem Ökotox (15) 4, 82-84 (2009)