Endokrin wirksame Chemikalien (endocrine
disrupting chemicals, EDC) beeinflussen das Hormonsystem und
können so den Organismus schädigen. Art. 57 Abs. f
„gleichwertige Besorgnis“ der REACH-Verordnung sieht vor, dass
diese Stoffe ebenso wie CMR-Stoffe und PBT-/vPvB-Stoffe
zulassungspflichtig werden können. Voraussetzung dafür sind
schwerwiegende Wirkungen auf die menschliche Gesundheit oder die
Umwelt, die ebenso besorgniserregend sind wie die von PBT- und
CMR-Stoffen.
„Bisher ist noch kein
endokrin wirksamer Stoff als besonders besorgniserregend
identifiziert worden“.
Es gibt verschiedene Zusammenstellungen von Stoffen mit
endokrinen Wirkungen. Häufig stammen diese
Hinweise aus
Zellkulturtests. Deshalb wählt das Umweltbundesamt zunächst
Stoffe zur näheren Untersuchung aus, die nachweislich in vivo,
d.h. im Organismus endokrin wirken. Die Liste prioritärer endokrin wirkender Stoffe der
Europäischen Kommission und die
SIN-Liste der
Nicht-Regierungsorganisation Chemsec bildete den
Ausgangspunkt zur Identifizierung hormonähnlicher Substanzen mit
potentiellem SVHC Status.
„Aus den vorhandenen Listen
wählt das Umweltbundesamt Stoffe aus, für die Informationen
vorliegen, dass sie in vivo, d.h. im Organismus endokrin
wirken“.
Als nächster Schritt wird geprüft,
ob die eventuell bereits vorhandenen regulatorischen Maßnahmen
ausreichend sind. Solche, die nur unzureichend,
bzw. noch gar nicht reguliert sind,
bewertet das Umweltbundesamt
hinsichtlich der oben genannten Kriterien. Vorrangig sind dabei Stoffgruppen mit
bekanntermaßen endokrin wirksamen Vertretern, z.B. Organozinnverbindungen (siehe
Organozinnverbindungen).
Aktuell werden die Informationen aus der ersten
Registrierungsphase ausgewertet. Dazu prüfen die
Umweltexpertinnen und -experten Hinweise aus der
chemischen Struktur der
Stoffe (sogenannte Strukturalarme) sowie alle
relevanten Daten, um die Risiken für die
Umwelt zu bewerten. Eine
Studie
zur Verwendung von Strukturalarmen wird noch in diesem
Jahr fertiggestellt.
Bisher schlugen weder die ECHA noch die Mitgliedsstaaten einen
Stoff wegen endokriner Wirkung als besonders besorgniserregend
vor. Deutschland plant im August 2011 einen ersten Vorschlag mit
dem Stoff Oktylphenol, dass in der Umwelt endokrine Wirkungen
aufweist.
Bilderquelle: Werner
Kloas und Robert Opitz, IGB Berlin