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ECHA aktualisiert gemeinsamen Aktionsplan zur Stoffbewertung

Die Stoffbewertung (Substance Evaluation) ist ein wichtiges Element von REACH. Im Gegensatz zur Dossierbewertung, mit der die Europäische Chemikalienagentur ECHA die Vollständigkeit der Registrierungsdossiers überprüft, ist die Stoffbewertung Aufgabe der Mitgliedstaaten. In dem gemeinsamen Aktionsplan zur Stoffbewertung legen die ECHA und die EU-Mitgliedstaaten fest, welche Stoffe die Behörden der Mitgliedstaaten in den nächsten drei Jahren bewerten werden. Seit 2012 aktualisiert die ECHA jährlich Ende März den gemeinsamen Aktionsplan zur Stoffbewertung, am 25.03.2015 den Plan für 2015-2017.

Das Umweltbundesamt (UBA) ist bei den deutschen Stoffbewertungen für die Umweltbelange zuständig. Zur Aufstellung des gemeinsamen Aktionsplans nominiert das UBA bevorzugt Stoffe, für die Hinweise auf persistente, bioakkumulierende und toxische Eigenschaften (PBT-Stoffe) oder endokrine Wirkungen (endokrine Disruptoren) vorliegen. In 2015 wird das UBA zwei PBT-Verdachtsstoffe, zwei endokrin wirksame Perchlorate und einen weiteren Stoff mit hormonellen Wirkungen bewerten.

Nach der Ankündigung im gemeinsamen Aktionsplan haben die Behörden ein Jahr Zeit für die Bewertung. Dann ist der ECHA ein Entscheidungsentwurf vorzulegen, der den Anfangsverdacht beurteilt. Mit dem Entwurf kann der Mitgliedstaat auch die Notwendigkeit einer Regulierung oder weitergehende Prüfungen begründen. Wenn sich zeigt, dass die Kriterien als besonders besorgniserregende Stoffe nach Art. 57 der Verordnung erfüllt sind, schlägt das UBA eine Aufnahme in die Kandidatenliste und weitere Risikominderungsmaßnahmen vor.

In 2015 bewertet das UBA die folgenden Stoffe:

  • Uvasorb HEB (CAS-Nr. 154702-15-5):
    Uvasorb HEB wird häufig in Kosmetika als Hautschutz gegen UV-Strahlung verwendet (UV- Filter). Die zu Uvasorb HEB eingereichten Registrierungsdaten weisen darauf hin, dass dieser Stoff langlebig in der Umwelt (Persistent - P) ist und sich in Organismen anreichern kann (Bioakkumulationspotenzial - B). Möglicherweise ist der Stoff zusätzlich giftig für Organismen in der Umwelt (Toxisch – T). Dann wäre Uvasorb HEB als PBT-Stoff zu ersetzen (Substitutionskandidat). Das prüft das UBA bei der Stoffbewertung. Uvasorb HEB wird in großen Mengen hergestellt (100 − 1000 t /Jahr) und gelangt über umweltoffene Verwendungen (z.B. Sonnencreme) in die Umwelt.

  • 1-[4-(1,1-dimethylethyl)phenyl]-3-(4-methoxyphenyl)propane-1,3-dione (BMDM, CAS-Nr. 70356-09-1):
    Auch BMDM wird als UV A-Filter in Sonnenmilch und anderen Kosmetika verwendet. Beim Baden und Waschen kann der Stoff in die Umwelt gelangen. Und wie für Uvasorb HEB liegen Hinweise auf PBT-Eigenschaften vor. Als potentieller PBT-Stoff prüft das UBA bei der Stoffbewertung, ob BMDM die Kriterien des REACH Anhangs XIII für PBT-Stoffe erfüllt.

  • Natriumperchlorat (7601-89-0) und Ammoniumperchlorat (7790-98-9):
    Auch für die Stoffbewertung 2015 eingeplant sind das Natriumperchlorat und das Ammoniumperchlorat. Das biologisch aktive Perchlorat-Anion hemmt einen Ionenkanal, über den normalerweise Iodid in der Schilddrüse angereichert wird. Dies führt dazu, dass in der Schilddrüse nicht mehr genug von den Hormonen Triiodthyronin und Thyroxin gebildet werden kann. Die Perchlorate stehen somit im Verdacht, als Endokrine Disruptoren über den Thyroid-Pfad zu wirken. Hinweise auf schädliche Wirkungen sind aus Studien an Fischen und Amphibien bekannt. Das UBA prüft nun, ob die Perchlorate als Endokrine Disruptoren in der Umwelt zu bewerten sind.

    Ammonium- und Natriumperchlorat werden vor allem für Festtreibstoffe, Feuerwerk, Fackeln, Sprengstoff, Düngemittel, Bleichmittel und Batterien verwendet. Aus diesen offenen und weit verbreiteten Verwendungen gelangen sie vor allem über das Wasser in die Umwelt. Perchlorate sind in wässrigen Medien hochmobil und langlebig.

  • 2,2'-dimethyl-4,4'-methylenebis(cyclohexylamine) (DMDC, CAS-Nr. 6864-37-5):
    2,2'-dimethyl-4,4'-methylenebis(cyclohexylamine) wird beispielsweise in Verbundteilen aus Epoxidharz und Härtungsmittel in der Kunststoffindustrie eingesetzt. Der Stoff findet sowohl im Innen- als auch im Außenbereich von Verbundwerkstoffen Anwendung. Für diesen Stoff weisen Untersuchungen aus in vitro-Studien auf hormonelle Wirkungen in der Umwelt hin, die das UBA in der Stoffbewertung überprüfen wird.

Siehe auch: Stoffbewertungen unter REACH