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Bisphenol A

4,4´-Isopropylidendiphenol, besser bekannt als Bisphenol A, wird EU- und weltweit in hohen Mengen produziert und verwendet. Es findet sich zum Beispiel in Plastikprodukten aus Polycarbonat, in Epoxidharzen und in Thermopapier. Untersuchungen belegen, dass der Stoff in der Umwelt nachgewiesen wird und schon in niedrigen Konzentrationen auf das Hormonsystem von Mensch und Umweltorganismen wirkt. Seit März 2011 ist der Einsatz von Bisphenol A bei der Herstellung von Babyflaschen aus Kunstoffen EU-weit verboten., da man bisher nicht ausschließen kann, dass Bisphenol A, besonders beim Erhitzen der Babyflasche, in den Flascheninhalt übertritt.

Das Risiko von Bisphenol A für Mensch und Umwelt wurde im Rahmen des EU-Altstoffprogramms umfassend bewertet und 2003 in einem Stoffbericht zusammengefasst (aktualisiert im Jahre 2008). Das Ergebnis dieser Risikobeurteilung deutete auf kein Risiko für den Umweltbereich hin, doch gab es Hinweise, dass das Risiko unterschätzt wurde. Insbesondere das Gefährdungspotential und die Exposition von Bisphenol A werden kontrovers diskutiert und es gibt trotz zahlreicher Studien immer noch Widersprüche und Unsicherheiten in der Bewertung der Wirkung auf Organismen und der in die Umwelt eingetragenen Mengen.

Durch die neue EU-Chemikalienverordnung REACH müssen die Hersteller, Importeure und Anwender die sichere Verwendung von Chemikalien nachweisen und sicherstellen. Diese geschieht im Rahmen der Registrierung der Stoffe bei der europäischen Chemikalienagentur (ECHA). Das Umweltbundesamt prüft zurzeit im Rahmen der Stoffbewertung unter REACH inwieweit die eingereichten Informationen aus den Registrierungsunterlagen zu Eigenschaften, Verwendungen und abgeschätztem Umwelteintrag von Bisphenol A nachvollziehbar sind und ob das Risiko für Mensch und Umwelt möglicherweise unterschätzt wird.

Die Stoffbewertung untersucht im Detail folgende Bedenken: Es soll geklärt werden, ob Bisphenol A aufgrund seiner endokrinen Eigenschaften besonders reguliert werden muss. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass die Toxizität gegenüber verschiedenen Organismen (z.B. Schnecken) unterschätzt wird und Bisphenol A bei wasserlebenden Organismen schon bei sehr niedrigen Konzentrationen das Hormonsystem negativ beeinträchtigen kann. Außerdem soll geprüft werden, inwieweit die angegebenen Expositionspfade und vorhergesagten Umweltkonzentrationen der Registrierungsunterlagen plausibel sind und das tatsächliche Vorkommen in der Umwelt widerspiegeln.

Untersuchungsdaten aus Umwelt-Monitoringprogrammen, insbesondere erhöhte Sedimentkonzentrationen, deuten darauf hin, dass die in die Umwelt eingetragenen Mengen von Bisphenol A größer sind als bisher angenommen. Deshalb wird geprüft, inwieweit weitere Quellen und Expositionspfade, die bisher nicht in den Registrierungsunterlagen berücksichtigt wurden, für einen relevanten Eintrag von Bisphenol A verantwortlich sein können. Ein bislang unberücksichtigter Eintragsweg ist beispielsweise der Herstellungsprozess und der Gebrauch von Recyclingtoilettenpapier, wenn dieses aus Altpapier hergestellt wird, das BPA-haltiges Thermopapier enthält. Hierdurch kann Bisphenol A über den Wasserpfad in die Umwelt gelangen. Weiterhin gibt es Hinweise, dass der Abbau von Bisphenol A in der Kläranlage geringer ist als angenommen und der Stoff auf diese Weise vermehrt in die Umwelt gelangt. Zudem wurden bei den bisherigen Bewertungen für Bisphenol A nur die Produktions- und Gebrauchsmengen der damaligen 15 EU-Länder zugrunde gelegt. Mittlerweile müssen aber die Daten aus 27 EU-Mitgliedstaaten berücksichtigt werden. Deshalb ist zu prüfen, ob in der Zwischenzeit die jährlichen Produktions- und Verwendungsmengen von Bisphenol A angestiegen sind.

Weitere Informationen des Umweltbundesamtes:
Stoffbewertung Bisphenol A – Entscheidung zu Datennachforderungen ist veröffentlicht
Das erste Ergebnis der REACH-Stoffbewertung zu Bisphenol A liegt vor. Deutschland hatte die Stoffbewertung übernommen und schlug vor, von den registrierenden Unternehmen Daten zur Umweltexposition von Bisphenol A (UBA) sowie eine in vitro Studie zur dermalen Absorption der Substanz an menschlicher Haut (BfR) nachzufordern. Der Ausschuss der Mitgliedstaaten (MSC) stimmte dem Vorschlag im November 2013 einstimmig zu. Das Umweltbundesamt als zuständige Behörde in Deutschland hatte bemängelt, dass mit den Angaben zu Umweltemissionen aus bestimmten Verwendungen in dem Registrierungsdossier die Umweltrisiken nicht bewertet werden können. Um die Angemessenheit weiterer Regulierungsmaßnahmen beurteilen zu können, sind genauere Daten zu den Umweltemissionen aus bestimmten Verwendungen notwendig. Dies hat der Ausschuss nun bestätigt und die ECHA hat die Entscheidung im Dezember an die registrierenden Unternehmen verschickt. Die Unternehmen müssen die zusätzlichen Expositionsdaten und die Hautabsorptionsstudie nun innerhalb von 24 Monaten nach Veröffentlichung der Entscheidung liefern. Die ECHA hat die Ergebnisse der Stoffbewertungen im April 2014 veröffentlicht. Das Dokument zu den Datennachforderungen für Bisphenol A ist nun öffentlich verfügbar.

Französischer Einstufungs- und Kennzeichnungsvorschlag – Entscheidung des RAC
Der wissenschaftliche Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) der Europäischen Chemikalienagentur hat am 19.03.2014 seine Stellungnahme veröffentlicht, Bisphenol A als reproduktionstoxisch Kategorie 1B einzustufen. Damit bestätigt der Ausschuss die fortpflanzungsgefährdenden Eigenschaften des Stoffes. Frankreich hatte vorgeschlagen, Bisphenol A nicht länger in die Kategorie „reproduktionstoxisch 2“, sondern in die Kategorie 1B einzustufen und so auf das hohe Gefährdungspotenzial hinzuweisen. Damit erfüllt Bisphenol A gleichzeitig die Kriterien als besonders Besorgnis erregender Stoff (SVHC - Substance of very high concern) nach Art. 57c) der REACH-Verordnung.

Für Bisphenol A ist bereits wegen seiner hautreizenden, augenschädigenden und atemwegsreizenden Eigenschaften eine harmonisierte Einstufung im Anhang VI der Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen (CLP-Verordnung) festgelegt. Diese Einstufung bleibt von der neuen Einstufung „ reproduktionstoxisch Kategorie 1B“ unberührt. Der französische Vorschlag und die Stellungnahme des RAC betreffen allein die nachteiligen Effekte auf die sexuelle Funktion und Fruchtbarkeit. Der Ausschuss bestätigt mit seiner Stellungnahme die Erkenntnisse zu nachteiligen Effekten auf die Fortpflanzungskapazität (funktionelle Fruchtbarkeit), die in einer richtlinien-konformen Mehrgenerationen- Studie an Mäusen und Ratten nach Aufnahme des Stoffes über die Nahrung auftraten. Die Wirkungen von Bisphenol A auf die weibliche Fortpflanzungskapazität und toxische Effekte in Fortpflanzungsorganen wurden auch in mehreren wissenschaftlichen Studien beobachtet.Thermopapier

Ausschuss für Risikobeurteilung weist Verwendungsbeschränkung für Bisphenol A in Thermopapier zurück
Der Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) der ECHA lehnt das französische REACH Beschränkungsdossier für Bisphenol A als „nicht konform“ ab. Damit muss das Dossier von Frankreich noch einmal überarbeitet werden. Frankreich hatte vorgeschlagen, die Verwendung von Bisphenol A in Kassenbons aus Thermopapier zu beschränken. Der Ausschuss kann die Auswahl der Schlüsselstudien durch Frankreich nicht nachvollziehen. Da es sich um ein sehr umfangreiches Dossier handelt, hat der Ausschuss um weitere Erläuterung zu mehreren Punkten gebeten. Im Gegensatz zum RAC hat Ausschuss für Sozioökonomische Analyse (SEAC) der ECHA das Dossier als konform anerkannt. Die für diesen Ausschuss notwendigen Bereiche des Dossiers (Darlegung der sozioökonomischen Auswirkungen der Beschränkung) waren konform mit den Anforderungen der REACH Verordnung. Wenn Frankreich die Dokumentation der Schlüsselstudien im Dossier überarbeitet hat und der RAC das Beschränkungsdossier als konform ansieht, folgt die öffentliche Konsultation des Dossiers, in der die Mitgliedsstaaten, die Industrie und weitere Interessenvertreter die vorgeschlagene Verwendungsbeschränkung kommentieren können.